Technischer Rückblick auf 2018

Vor gut einem Jahr wagte ich einen Ausblick auf das Jahr 2018. Heute werde ich auf das Jahr zurückblicken und prüfen, ob meine Vorhersagen eingetroffen sind.

Web-Technologien

NGINX

Der NGINX als Web-Server hat im letzten Jahr noch einmal deutlich zugelegt und rückt dem Apache-Web-Server weiter auf die Pelle. Dieser Trend wird sich zweifelsohne fortsetzen. 2018 wird wohl nicht ausreichen, um den Altmeister zu überholen, aber auf Dauer wird NGINX definitiv an ihm vorbeiziehen.

Ein Volltreffer, würde ich sagen. Laut aktueller Statistik konnte NGINX weiter Marktanteile gewinnen (+4,4 %), während Apaches Marktführung schrumpft (-3,2 %). Die beiden liegen jetzt keine 4 Prozentpunkte mehr voneinander entfernt. Noch in diesem Jahr könnte es zur Wachablösung kommen. Wir dürfen gespannt sein.

Container-Virtualisierung

Die Virtualisierung von Servern ist ja schon länger ein unaufhaltsamer Trend. […] Ich sage daher voraus, dass in weniger als zehn Jahren ein Großteil aller Webdienste über Container virtualisiert ist.

Eine sehr weit vorausgegriffene Vorhersage. Belegen kann ich den nach wie vor positiven Trend zwar nicht, aber vom Gefühl her würde ich sagen, dass wir uns weiterhin auf einem guten Weg befinden. Die Entwicklung bei Kubernetes und Docker Swarm stand jedenfalls nicht still und auch das Interesse dürfte im letzten Jahr noch einmal gestiegen sein.

JavaScript

Positiv anzumerken ist auch der Trend hin zum plattformübergreifenden JavaScript.

Für JavaScript gab es im letzten Jahr einen Mini-Dämpfer. Die Popularität nahm in den beiden Indizes von TIOBE (-0.16 %) und PYPL (-0.2 %) im Vergleich zum letzten Jahr minimal ab. Auch die Zahl der neuen JavaScript-Frameworks hat sich gefühlt reduziert. Der Hype scheint vorüber.
Dagegen zeichnet sich mit Python ein neuer Star am Himmel der Programmiersprachen ab. Python ist beliebter den je und macht inzwischen sogar schon Java Konkurrenz. Das ist schade, denn ich hätte lieber JavaScript an dieser Stelle gesehen. Wirklich plattformübergreifend ist Python ja leider nicht. Mit JavaScript lassen sich zum Beispiel Smartphone-Apps bedeutend besser entwickeln.

Abonnements

Spätestens nach dem Erfolg von Netflix, Amazon Prime, Spotify oder Deezer sind Abonnements im Internet wieder salonfähig geworden. Mehr und mehr Menschen sind bereit, für gute Angebote regelmäßig zu zahlen, statt sie aus Tauschbörsen kostenlos zu beziehen.

Die Abo-Welle rollte im letzten Jahr unaufhaltsam weiter. Netflix konnte seine Abonnentenanzahl erneut steigern und auch der Umsatz bei Apple durch App-Abonnements nahm zu. Im August letzten Jahres empfahl Apple sogar seinen App-Entwicklern, auf Abonnements umzuschwenken. Der Trend wird sich also fortsetzen.

Alltags-Technologien

Blockchain

2018 wird es mit dem Höhenflug der Blockchain jedenfalls noch weitergehen. Erst wenn der Hype abgeflacht ist und auch weniger fachkundige Manager begriffen haben, für welche Zwecke Blockchain tatsächlich geeignet ist, wird sich die Technologie wirklich etablieren.

Blockchain hat 2018 in der Tat noch für viel Furore gesorgt. Einen echten Einsatz der Technologie unter Realbedingungen gab es aber noch nicht. Die Entwicklung ist noch nicht weit genug fortgeschritten, damit sie im Alltag Einzug findet. Der Hype ist jedenfalls abgeflacht. Hoffen wir, dass wir im kommenden Jahr das erste richtige Projekt – und damit meine ich keine Experimente und Betas wie Bitcoin und Co. – zu sehen bekommen.

Bitcoin un Co.

[…] Wie jede Revolution wird auch diese bittere Verluste auf beiden Seiten zur Folge haben. […]

Wer sich mit den Kursen an den Kryptobörsen aus dem letzten Jahr beschäftigt, wird feststellen, dass es stetig bergab ging. Kursfälle von zweistelligen Prozentzahlen waren keine Seltenheit und die Presse vermeldete ein ums andere Mal das Ende der Kryptowährung: »Ist Bitcoin am Ende?«, »Der Bitcoin auf dem Weg zur Null?« oder »Bitcoin ist klinisch tot« – um nur einige zu nennen. Keine Frage, Bitcoin musste einiges einstecken, aber dafür, dass es eigentlich nur ein kleines Licht (Marktkapitalisierung: ~70 Mrd. USD) im riesigen Finanzsektor ist (Marktkapitalisierung Apple: ~700 Mrd. USD), hat sich Bitcoin gut geschlagen. Beendet ist die Revolution aber noch lange nicht. Verluste wird es auch im kommenden Jahr noch geben – auf beiden Seiten.

Mobilität

In der Autoindustrie tut sich derweil etwas, das definitiv das Potenzial hat, „The Next Big Thing“ zu werden: Das autonome Fahren.

Das hat im letzten Jahr noch nicht ganz geklappt. Zuletzt machte Uber im März Schlagzeilen wegen eines tödlichen Unfalls mit einem autonomen Fahrzeug. Ansonsten gab es wenig Neues zu berichten. Ich bezweifle allerdings, dass es in diesem Jahr zu einem Durchbruch kommt. Das autonome Fahren wird wohl noch ein Weilchen auf sich warten lassen.

Sprachassistenten

Dennoch setzen die Big Player aus dem Silicon Valley weiter auf ihre Sprachassistenten und entwickeln sie stetig weiter. Das ist auch dringend nötig, denn erst wenn die sprechenden Computer menschenähnlicheres Verhalten zeigen, werden sie von echten Menschen akzeptiert und genutzt. Auch die Unterstützung von entsprechenden Geräten (Stichwort IoT) muss sich noch verbessern.

Hier hat sich einiges getan und die Entwicklung schreitet weiter voran, auch wenn es im letzten Jahr keine große Marketingkampagne mehr gab. Der Google Assistant kann nun telefonieren und Amazons Alexa erlebte ihre erste handfeste Datenpanne. Hoffen wir also auf weitere Verbesserungen – insbesondere bei Datenschutz und -sicherheit.

Netzneutralität

Vodafone und Telekom haben mit Vodafone Pass und StreamOn bereits den Anfang vom Ende der Netzneutralität eingeläutet. Ganz heimlich werden unsere Mobilfunk- und Internetprovider weitere Produkte einführen, die uns auf ein Zwei-Klassen-Internet vorbereiten.

Erster Widerstand gegen Telekoms StreamOn regte sich bereits Ende 2017. Die Bundesnetzagentur hatte diverse Änderungen am Tarif angemahnt, die den Kern des Problems allerdings nicht wirklich trifft. Die Netzneutralität steht weiterhin auf der Kippe. In den USA ist sie bereits Geschichte. Letzte Hoffnungen ruhen daher auf der EU, aber am Ende werden sich die Provider wohl durchsetzen. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis wir für schnellen Zugriff auf einzelne Dienste noch mal extra in die Tasche greifen müssen.

Augmented & Virtual Reality

Auch für 2018 ist keine Veröffentlichung neuer Versionen der VR/AR-Brillen angekündigt. War es das also schon mit der schönen neuen Realität?

Wie vorhergesagt endete 2018 ohne große Ankündigungen der VR-Brillen-Hersteller. Es ist nach wie vor ein Nischenprodukt, das noch nicht ganz ausgereift ist und noch etwas Zeit braucht. Ob es in diesem Jahr zu einer starken Neuveröffentlichung kommt, bleibt abzuwarten.

Fazit

In den meisten Fällen lag ich mit meinen Vorhersagen richtig, oder zumindest nicht gänzlich falsch. Vieles ging natürlich noch weit über 2018 hinaus und ob ich am Ende wirklich mit allem Recht behalte, wird sich erst in 5-10 Jahren zeigen.
Zum Abschluss noch die Lottozahlen für 2019: 8 – 11 – 29 – 36 – 40 – 41 – 45. Und wenn ihr damit den Jackpot knackt, reinvestiert ihr den Gewinn am besten in Bitcoin 😉

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