Brave-Browser: Ein Ersatz für Googles Chrome?

Vor etwa einer Woche habe ich den Versuch gewagt, meinen langjährigen Chrome-Browser durch Brave zu ersetzen. Dies ist das erste Fazit.

Seit Google vor über zehn Jahren seinen Chrome-Browser veröffentlicht hat, gab es für mich keinen Grund mehr, über einen Browser-Wechsel nachzudenken. Chrome war (und ist) schnell, stabil, komfortabel, sicher und entwicklerfreundlich. Auch kommen Chrome-Nutzer schneller in den Genuss der neuesten Web-Standards als bei Microsofts Konkurrenzprodukt.

Zwar hat Chrome den großen Nachteil, dass man nie genau weiß, was Google alles mit unseren Daten anstellt, aber Privatsphäre scheint die meisten Nutzer kaum zu interessieren. Laut Statcounter beherrscht Chrome auf dem Desktop 2/3 des Marktanteils. Kein anderer Browser kommt auf mehr als 10 % Marktanteil. Man könnte schon fast von einem Monopol sprechen.

Mozilla startete vor gut zwei Jahren eine laute Marketingoffensive. Groß angekündigt wurde Firefox neue Engine „Quantum“, die schneller und ressourcenschonender arbeiten sollte. Gebracht hat das nichts, der Effekt verpuffte so schnell wie er gekommen war. Chrome ist für die meisten offenbar schnell genug, sodass sich kaum jemand um einen Wechsel bemühte.

Vielleicht braucht es eine völlig neue, bahnbrechende Funktion, um Google Chrome in die Knie zu zwingen. Denn mit mehr (oder weniger) verbesserter Performance, Privatsphäre und Datenschutz kann man scheinbar keine Nutzer zum Wechsel überreden. Und genau diesen Ansatz verfolgt der Brave-Browser. Brave bietet ein Alleinstellungsmerkmal, das tatsächlich einen Versuch wert ist.

Brave Rewards

Werbung auf Webseiten sind in der Regel nervtötend. Sie verlangsamt den Seitenaufbau, stört beim Lesen und bringt dem Nutzer selbst absolut gar nichts. Brave hingegen hat einen integrierten Ad-Blocker, spielt aber gleichzeitig eigene, weniger aufdringliche, Werbung aus. Der große Vorteil ist aber, dass man als Nutzer für diese Werbung belohnt wird. Für die angesehene Werbung erhält man BAT – ein eigener Token auf Basis der Ethereum-Blockchain – das sich wahlweise in Euro und Dollar eintauschen, oder direkt als Trinkgeld an eine Content-Creator weitergeben lässt. Die Idee: Nutzer und Content-Creator sollen beide von Werbung profitieren, damit sie nicht mehr geblockt werden muss, aber alles auf freiwilliger Basis.

Ob das Konzept wirklich aufgeht, darf bezweifelt werden. Ich vermute, dass bei den Content-Creator am Ende zu wenig landet. Dennoch fand ich den Ansatz so interessant, dass ich Brave ausprobiert habe.

Google Chrome vs. Brave

Brave und Chrome haben dieselbe Basis. Beide setzen auf Chromium auf, dem quelloffenen Browser, der ursprünglich von Google als Grundlage für Chrome veröffentlicht und noch immer maßgeblich weiterentwickelt wird. Das heißt natürlich auch, dass Chrome und Brave starke Ähnlichkeiten aufweisen. Es wird dieselbe Engine zum Rendering verwendet und viele beliebte Erweiterungen können auch auf Brave installiert oder zumindest schnell portiert werden. In puncto Performance unterscheiden sich die beiden daher kaum. Brave wirbt zwar mit schnellerem Seitenaufbau, dies dürfte aber hauptsächlich den integrierten Ad-Blocker zurückzuführen sein, der sich in Chrome problemlos nachinstallieren lässt.

Ein echter Unterschied ist aber die fehlende Datenkrake. Im Gegensatz zu Chrome ist Brave frei von versteckter Datenerfassung und respektiert die Privatsphäre. Selbst die eigens ausgespielte Werbung soll den Nutzer kein Tracking aufzwingen. Das lässt sich sogar überprüfen, denn der Quellcode von Brave ist vollständig einsehbar.

Außerdem lässt sich mit Brave optional direkt über das TOR-Netzwerk surfen. Ein richtig cooles Gimmick, wie ich finde.

Fazit

Dadurch dass Brave ebenfalls auf Chromium basiert, vermisse ich aktuell nichts, das mir nicht schon in Chrome gefehlt hätte. Ein Unterschied in der Performance oder Stabilität ist mir bisher nicht aufgefallen. Meine benötigten Erweiterungen konnte ich einfach aus dem Chrome Web Store installieren. Selbst die Entwickler-Tools, die ich häufig für meine Arbeit brauche, ist in beiden Browsern identisch. Einziges Manko war bisher der ein oder andere Bug, der aber im nächsten Release behoben sein soll.

Im Grunde ist Brave ein erweiterter Chrome ohne Datenerfassung. In meinen Augen ist Brave daher eine echte Alternative zu Googles Chrome und in jedem Fall einen Blick wert. Ich werde daher vorerst bei Brave bleiben und mein Experiment fortsetzen. Vielleicht konnte ich den einen oder anderen ja zu einem Wechsel bewegen, auch wenn ich weiß, dass es schwerfällt, sich umzugewöhnen.

Ich bin gespannt, wie sich Brave Rewards weiterentwickeln wird und kann an dieser Stelle verkünden, dass DevOpsWorld für Brave Rewards verifiziert ist und über Brave Trinkgeld erhalten kann 🙂

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